MA Kunstgeschichte im globalen Kontext

Studieninhalte und Ziele

Der Master of Arts Kunstgeschichte im globalen Kontext (Hauptfach 90 ECTS Credits) bietet eine kulturgeografisch global ausgerichtete Lehre mit Schwerpunkten Ostasien, Nordamerika und Europa, die um Lehrangebote zur Kunstgeschichte anderer Kulturgebiete ergänzt wird. Der Studiengang zielt auf eine methodisch reflektierte und kritische Untersuchung historischer und aktueller Phänomene wie Transkulturalität, nationale Identität, Stilgeschichte, Postkolonialimus, Kunstgeografie, Mobilität, Migration und Kulturtransfer. Das Studienprogramm fördert eine interdisziplinäre Kombination mit anderen Studienprogrammen der Philosophischen Fakultät und soll dazu beitragen, neue Forschungs- und Berufsfelder zu erschliessen. Zu den Berufsperspektiven der Studienabgänger gehören neben einer verstärkt international ausgerichteten wissenschaftlichen Laufbahn insbesondere der globale Kunstmarkt in seiner ganzen Breite, die kunst- und kulturhistorischen Museen, die Kunstkritik und die Kunstvermittlung.

Globale Herausforderungen

Die rapide Veränderung unserer Gesellschaft und Wirtschaft durch die Globalisierung hat auch Auswirkungen auf unsere wissenschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Institutionen. Die zunehmende Mobilität von Menschen, Gütern und Informationen lenkt die Aufmerksamkeit auf die interrelationalen Aspekte der Kunst. Dementsprechend sind in der Kunstgeschichte neue Methoden und Fachkompetenzen in den Vordergrund gerückt, wie beispielsweise postkoloniale und geografische Ansätze. Eine globale Perspektive betont die Notwendigkeit, neue Fragen in Bezug auf die Kunst der Vergangenheit und Gegenwart zu stellen, um die Identität des Faches Kunstgeschichte zu prüfen und zu aktualisieren und seine Relevanz für die Zukunft sicherzustellen. Was ist Kunstgeschichte im globalen Kontext? Was sind die Kernfragen und Herausforderungen einer globalisierten Kunstgeschichte? Wie beeinflussen globale Perspektiven kunsthistorische Institutionen und Praktiken, wie die des Kuratierens und der Konservierung, der Museen und des Kunstmarkts? Wie kann man jenseits von althergebrachten Werturteilen wie „high“ und „low“, Zentrum und Peripherie, agieren? Wie lässt sich die Diversität lokaler ästhetischer Praktiken und Diskurse in eine globale Perspektive integrieren?

Kunstwerke und Kunstwelten

Künstlerische Objekte stellen durch ihre kulturelle und historische Distanz eine hermeneutische Herausforderung dar. Da sie Teil spezifischer „Kunstwelten“ sind, verlangen sie nach geeigneten Analysemethoden, wie beispielsweise Kunsttechnologie, Wirtschaftsgeschichte und Ikonografie. Eine globale Perspektive auf die Kunstgeschichte bezieht zentrale Fragestellungen unserer Disziplin mit ein, so zum Beispiel die Historizität der Idee einer autonomen Kunst. Die globale oder transkulturelle Kunstgeschichte profitiert von einem interdisziplinären Austausch mit Fächern wie etwa Anthropologie, Ethnographie oder den Visual und Material Studies. Benötigen wir neue „critical terms for art history“ (Robert S. Nelson/Richard Shiff), wie beispielsweise das „intercultural object“ (Arjun Appadurai) oder die „agency“ (Alfred Gell)? Die Auseinandersetzung mit nicht-westlichen Artefakten könnte zur Hinterfragung der Parameter des westlichen Kanons dienen und dabei, um ein Beispiel zu nennen, zu einer Dekolonisierung des Kubismus führen. Nicht zuletzt haben die hauptsächlich von westlichen Institutionen geförderten Digital Humanities eine starke Auswirkung auf den weltweit in Netzwerken und Datenbanken verbreiteten Kanon von Texten und Kunstwerken.

Alternative Narrative

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war im Westen die Disziplin der Kunstgeschichte zumeist mit der nationalen Geschichtsschreibung identisch. Dabei ist auch der globale Kunstdiskurs weit davon entfernt, mit der Idee des „Post-Nationalen“ oder „Post-Ideologischen“ gleichgesetzt zu werden. Stattdessen äussern sich darin, gerade in aufstrebenden Nationen, neue Formen des politischen Nutzens und Missbrauchs. Eine globale Perspektive hinterfragt sowohl traditionelle Weisen der Wissensproduktion als auch ihre politischen, sozialen und ökonomischen Kontexte und Bedingungen. Dies kann formal und inhaltlich zu alternativen Forschungs- und Lehrmethoden der Kunstgeschichte führen und sich etwa in künstlerischer Forschung oder Oral History manifestieren. Eine globale Kunstgeschichte geht von einer Vielzahl von Kunstgeschichten aus. Sie fördert eine Hinterfragung der westlichen Vorstellungen von Zeit und Raum, die auf Stil und Territorium basieren, und sie überdenkt dabei beispielsweise die Opposition zwischen „Tradition“ und „Moderne“, analysiert Begriffe wie „Übersetzung“, „Aneignung“ oder „Entwicklung“ und hinterfragt die Idee des „Globalen“ selbst. In dieser Hinsicht sind die Wissenschaftsgeschichte und die Untersuchung kunsthistorischer Terminologien äusserst wichtig.

Orte und Räume

Orte und Räume, in denen Menschen, Kunstwerke und Ideen interagieren, werfen wesentliche Fragen auf (Irit Rogoff). Eine globale Kontextualisierung ermöglicht es, die verändernde Materialität und wechselnde Bedeutung von Objekten zu berücksichtigen. Eine solche Perspektive erlaubt es, Phänomene der Übertragung, Übersetzung, Zirkulation und des Austausches zu untersuchen sowie das „Leben“ der Objekte und ihre Spuren in Raum und Zeit zu erforschen. Zudem wird dadurch die Wichtigkeit von Prozessen der Deterritorialisierung, Aneignung und Restitution hervorgehoben. Eine globale Perspektive untersucht die nationalen, ethnischen und kulturellen Identitäten von KünstlerInnen und Kunstwerken (Thomas DaCosta Kaufmann) und eröffnet eine Sichtweise auf Fragen der Hybridität und „in-betweenness“ (Homi Bhabha).

Globale Ausstellungen und die Funktion des Museums

Seit der Ausstellung Les Magiciens de la terre (Paris 1989) lässt sich eine transkulturelle Ausstellungspraxis beobachten. Jedoch wirft das Ausstellen von „global art“, insbesondere auf internationalen Biennalen, sowohl Fragen nach dem strategischen Marktwert von „otherness“ und „Glokalität“ auf als auch nach den inhärenten ideologischen und politischen Prämissen einer universalistischen „World Art History“. In Bezug auf den „exhibitionary complex“ (Tony Bennett) ist es wichtig, die Erscheinungsweisen und Rahmungen von Kunst zu untersuchen. Gibt es unterschiedliche Strategien und Kulturen des Ausstellens westlicher und nicht-westlicher Kunst? Ist das Format der globalen Grossausstellung eine universale Form oder eine genuin westliche Erfindung? Die Analyse von Ausstellungen wirft dabei nicht nur Licht auf die globale Politik von Institutionen mit ihren Inklusions- und Exklusionsmechanismen, sondern kann auch dabei helfen, Parameter zu bestimmen, die an der Herausbildung der Idee eines globalen Kunstbegriffs beteiligt sind.