Lehrveranstaltungen
Lehrveranstaltungen FS 2026
BA-Seminar: Fragen an den Teppich von Bayeux
Dr. Iñigo Salto Santamaría
Di, 10:15-12:00 Uhr, ab 3.3.
Der Teppich von Bayeux ist eines der bekanntesten und zugleich enigmatischsten Kunstwerke des Mittelalters. Es handelt sich um eine monumentale, über 68 Meter lange Stickerei, welche die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066 in zahlreichen Szenen abbildet. Das Werk bietet einen vielschichtigen Einblick in viele Aspekte des Lebens im 11. Jahrhundert, von den herrschenden Schichten über das Militär bis hin zum einfachen Volk, sowie auch in die politische Aktualität mittelalterlicher Geschichte. Die im Juli 2025 angekündigte und kontrovers diskutierte Leihgabe des Teppichs aus der Normandie nach London für eine geplante Ausstellung im British Museum unterstreicht die Bedeutung dieser Textilarbeit fast 1000 Jahre nach ihrer Entstehung. Das Seminar bietet eine vertiefte Perspektive auf das Hochmittelalter und sein Nachleben anhand dieses herausragenden Werks, dessen Herkunft, Materialität und Funktion die Forschung seit über drei Jahrhunderten beschäftigt haben. Anhand ausgewählter Texte und einer genauen Betrachtung des Objekts nähern wir uns sowohl den Antworten, die Kunsthistoriker*innen mit unterschiedlichen Methoden und Herangehensweisen formuliert haben, als auch den offenen Fragen, die der Teppich von Bayeux bis heute aufwirft.
BA-Seminar: Farbenspiele: Einführung zur Ikonographie der Farben in der Kunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit
Dr. Thomas Rainer
Mo, 10:15-12:00 Uhr, bis 18.5.
Bedingt durch die vielfach schwarz-weisse Reproduktion von Kunstwerken war die Beschäftigung mit der Kunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit häufig entweder farbenblind oder von theoretischen Prämissen geprägt, die der Vielfalt der unterschiedlichen Erscheinungsweisen von Farben und den durch sie vermittelten Bedeutungen kaum gerecht werden. Das Seminar rückt das «Changieren» von Farben und Bedeutungen ins Zentrum und stellt in vier grossen Themenblöcken die methodischen Herausforderungen vor, die mit dem Farbenspiel mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Kunstwerke verbunden sind. Welche visuellen Eigenschaften prägen die Farbwahrnehmung zwischen Antike und Renaissance und inwieweit ist die Kategorisierung dieser visuellen Eigenschaften historischen Veränderungen unterworfen. Welche Bedeutungen sind mit den Materialien verknüpft, die Künstlerinnen und Künstler zur Farbdarstellung verwendeten? In welchem Verhältnis stehen Farbstoffe und Pigmente zur sprachlichen Beschreibung und Auslegung einzelner Farben in den oft theologischen Schriftquellen? Welche Rückschlüsse auf die Netzwerke sozialer Interaktion und die sich wandelnden gesellschaftlichen Bedeutungen von Farben und Farbkategorien lassen sich aus der Analyse von Bildern und Schriftquellen gewinnen? Das Seminar lädt ein, Ikonographie jenseits von Schwarz und Weiss zu erkunden, mit schillernden Pfauenfedern und Purpurschattierungen, die in allen Farben des Regenbogens glänzen.
MA-Seminar: Kunst-Diplomatie. Netzwerke karolingischer Kunst
Dr. Thomas Rainer
Mo, 14:00-15:45 Uhr, bis 18.5.
Macht und Herrschaft im frühmittelalterlichen Europa waren geprägt durch persönliche Netzwerke der politischen Akteure. Künstler:innen waren dabei wichtige Agenten im Austausch von Luxusgütern, deren Schenkung bei der Anbahnung von Beziehungen, ihrer Aufrechterhaltung und ihrem Ausbau eine ebenso bedeutende Rolle zukam, wie beim Abbruch und der Neuformierung der Beziehungsgeflechte Plünderung und Raub. Am Beispiel der karolingischen Eliten werden die Funktionsweisen frühmittelalterlicher Kunst-Diplomatie bei der Etablierung des Herrschaftsgefüges der Karolinger untersucht. Die im Seminar behandelten Themenblöcke stellen Fragen nach der Anwendbarkeit kunsthistorischer Grundbegriffe wie Raum, Schule und Stil, die in der jüngeren Literatur auf Grundlage der Netzwerktheorie eine tiefgreifende Neubewertung erfahren haben. Welche Rolle spielt geographische Distanz im Kontrast zu lokal verfügbaren Ressourcen und Materialien für den Wissenstransfer, der mit der Geschenks-Diplomatie einherging? Wie spiegelt sich das über Geschenke etablierte Beziehungsnetzwerk in der stilistischen Affinität einzelner Kunstwerke in weit voneinander entfernten geographischen Räumen wider? Welche Bedeutung kommt geschenkten und geraubten Kunstwerken in diesen Prozessen zu? Anhand einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen - von der Klosterchronik, der anekdotischen Vita zur Briefliteratur - und Kunstwerken mannigfaltiger Materialität - wie z. B. Steinepitaphien, Elfenbeinen, Textilien und mit Goldschrift geschriebenen Prachthandschriften - wird im Seminar versucht die Netzwerke karolingischer Kunst-Diplomatie und ihrer Akteure zu rekonstruieren.
Forschungskolloquium Mittelalter
Prof. Dr. David Ganz
Mo 16:00-18:00 Uhr, alle zwei Wochen
Das Kolloquium bietet die Gelegenheit zur Präsentation und Diskussion von Abschlussarbeiten (Bachelor oder Master), Doktoratsprojekten und weiteren laufenden Forschungsprojekten der Teilnehmer:innen. Ein Teil der Sitzungen kann ergänzend auf die Lektüre und Diskussion von Publikationen verwendet werden, von denen wichtige methodische Impulse für die Erforschung der mittelalterlichen Bildkünste ausgehen.