Lehrveranstaltungen
Lehrveranstaltungen HS 2025
Vorlesung: Kunst und Ritual im Mittelalter
Prof. Dr. David Ganz
Do 14:00-15:45, KOL-F-117
Rituelle Handlungen prägen die Verwendung zahlreicher Werke der mittelalterlichen Kunst. Die museale Stillstellung und Isolierung, in der wir diese Werke üblicherweise erfahren, widerspricht einer historischen Rezeptionssituation, die von Handlung, Bewegung und Aufführung geprägt ist. Für deren Verständnis ist es mithin entscheidend, die rituellen Handlungszusammenhänge zu kennen, in denen Bilder und andere Kunstgegenstände ihren Auftritt haben. Die Vorlesung diskutiert die Rolle vormoderner Kunstwerke in Ritualen der Messe, der Prozession, der Pilgerfahrt, der Taufe, der Grablegung, der Krönung und des Herrschereinzugs.
Liturgische oder zeremonielle Handlungen schaffen einen dynamischen Rahmen, der auf Nachvollzug, Teilhabe und Präsenz ausgerichtet ist und in dem die Kunstwerke selbst die Rolle von Akteuren übernehmen können. Die Beachtung dieser Faktoren führt notwendigerweise zu einer Revision des Begriffs der "Funktion", wie ihn die Kunstgeschichte seit einigen Jahrzehnten verwendet, und zu einer Neubestimmung des "künstlerischen" oder "ästhetischen" Anteils mittelalterlicher Kunst.
Propädeutikum (Gruppe 4)
Dr. phil. Sophie Schweinfurth Ventura
Di 10:15-12:00, RAK-E-6
Das Modul setzt sich mit den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens auseinander sowie mit den Grundfragen wissenschaftlicher Betrachtung von Kunst und Architektur. Anhand ausgewählter Werke verschiedener Gattungen und Entstehungszeiten werden diese und andere Fragen der Zuweisung von Werten, Rollen und Aufgaben an Kunstwerke, Kunstschaffende und Institutionen diskutiert. Wichtige Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens werden gemeinsam erarbeitet, darunter das Recherchieren von Literatur und Bildquellen, die kritische Textlektüre und das Halten von Kurzreferaten. Das Modul umfasst neben einem Seminar ein obligatorisch zu besuchendes Tutorat, das in kleinen Gruppen und über E-Learning-Aufgaben wissenschaftliche Arbeitstechniken und den Gebrauch von Hilfsmitteln einübt.
BA-Seminar: Zwischen Frömmigkeit und Macht, Kommerz und Umwelt. Die Macht der Bilder im Italien der Giottozeit
Prof. Dr. David Ganz
Mo 10:15-12:00, RAK-E-6
Die bildsprachliche Revolution in der italienischen Malerei des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts hat die Kunstgeschichtsschreibung seit ihren Anfängen immer wieder neu fasziniert: Sowohl in der Tafelmalerei wie in der Wandmalerei und in der Buchkunst öffneten sich virtuelle Räume unbekannter Tiefe, gewannen gemalte Körper neue Plastizität und Ausdrucksmacht, rückte Kunst das Verhältnis der Menschen zur natürlichen Umwelt in den Blick. Lange hat die Forschung diesen Umbruch primär an den Figuren grosser Meisterkünstler wie Cimabue, Giotto, Duccio oder Ambrogio Lorenzetti festgemacht und sie als autonome Akteure des künstlerischen Fortschritts gefeiert. Jüngere Beiträge betonen hingegen stärker die Einbettung der Kunstproduktion in neue Frömmigkeitspraktiken, die Politik der kommunalen Zentren oder den ökonomischen Kreislauf an Waren und Geld. Dazu kamen bislang noch kaum beachtete Veränderungen im Bereich der Umweltgeschichte. Die Berücksichtigung dieser Faktoren lässt eine neue Macht der Bilder in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, aber auch die weitgespannte räumliche Verflechtung dieser Malerei erkennbar werden. Vor dem hier skizzierten Hintergrund bietet das Seminar eine Einführung in eine Gruppe von Schlüsselwerken der westlichen Bildkunst und zugleich die Möglichkeit, in der Auseinandersetzung mit der Forschungsgeschichte wichtige methodische Ansätze der Kunstgeschichte kennenzulernen und zu reflektieren.
BA-Seminar: Ordnung und Relation. Das Diagramm im Mittelalter
Simon Breitenmoser, MA
Fr 14:00-15:45, RAA-E-27
Diagramme erfüllen im Mittelalter mannigfache Funktionen. Sei es als Schema zur Konzeptualisierung von Mikro- und Makrokosmos, als Meditations- und Memorierungsinstrumente, als Brücken zwischen inneren Vorstellungen und äusseren Bildern, als Konglomerate von Sprachlichem und Visuellem, von Körperlichem und Abstraktem oder zur Präsentmachung zeitlicher Zusammenhänge.
Doch scheint es, dass es dabei immer um die Herstellung von Ordnung und Relation geht. Durch Diagramme werden mit visuellen Mitteln konkret-anschauliche Dinge aber auch abstrakte Vorstellungen in eine Beziehung und ein System gebracht. Als Ordnungsgebend dienen einfachste geometrische Formen wie Linien, Kreise etc., Farbgebung, aber auch der menschliche Körper, Pflanzen, räumliche Zusammenhänge und religiöse Symbole. Im einführenden Lektüreseminar werden wir uns mit historisch und gestalterisch disparaten und doch verwandten mittelalterlichen Objekten befassen. Dazu werden wir uns mit einführenden Texten zur Diagrammatik und vor allem mit der Forschung zu Diagrammen im Mittelalter auseinandersetzen.
Übung: In situ. Glasmalerei zwischen Licht und Raum
Lydia Lymbourides, MA
Fr 10:15-12:00, bis 28.11., RAK-E-6, RAA-E-12
Glasmalerei ist ortsspezifische Kunst par excellence - ihre Wirkung entfalten die kontrastreichen, mit der Architektur verschränkten Bilder im Zusammenspiel von Licht, Farbe und Material. Lange als blosses Kunsthandwerk angesehen, rückt dieses Bildmedium wieder zunehmend in den Fokus kunsthistorischer Forschung.
Die Übung wird sich in zwei Lektüresitzungen dem vormodernen Verfahren der Glasherstellung, sowie der Rezeption von Glasmalerei im Mittelalter widmen. In Exkursionen befassen wir uns mit den narrativen Bilderzyklen des Spätmittelalters: In der ehemaligen Klosterkirche Königsfelden projizieren die Fenster Farbe in den sakralen Raum und rahmen liturgische Handlungen. Im Landesmuseum bedenken wir die veränderten Formate und Funktionen der Glasmalerei der frühen Neuzeit. Die Fenster der Moderne und Gegenwart von Augusto Giacometti (1877-1947), Marc Chagall (1887-1985) und dem ursprünglich zum Glasmaler ausgebildeten Sigmar Polke (1941-2010) im Fraumünster und Grossmünster in Zürich befragen wir im Besonderen im Hinblick auf die Spannungsfelder Tradition und "Revival", Figur und Ornament, Kunst und Natur.
Technischen und praktischen Aspekten begegnen wir unter anderem im Vitrocentre Romont, wo neben der Bildanalyse ein weiterer Fokus auf folgenden Fragen liegt: Wie werden Glasmalereien konserviert? Welche Werkbestandteile mittelalterlicher Fenster sind tatsächlich noch "original" und was ist Produkt späterer Eingriffe im Zuge von Restaurierungen? Und: Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für die Kunstwissenschaft?
MA-Seminar: Kunst und Ökologie
Prof. Dr. David Ganz
Di 10:15-12:00, RAA-E-27
Im aktuellen Kunstgeschehen nehmen künstlerische Positionen, die sich im weitesten Sinne der Eco-Art zurechnen lassen, einen prominenten Platz ein. Für den Kunstbetrieb insgesamt spielen Aspekte der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes und der Ökobilanz zunehmend eine wichtige Rolle. Für die Kunstgeschichte tun sich hier neue, bislang wenig beachtete Perspektiven auf, die in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen werden. Das Seminar bietet die Möglichkeit, methodische Ansatzpunkte dafür kennenzulernen. Wichtige Impulse kommen aus dem literaturwissenschaftlichen Diskurs des Ecocriticism, der sich für die künstlerischen Strategien der Darstellung von Natur und Umwelt interessiert. Weitere Perspektiven eröffnen Beiträge aus den Umweltwissenschaften, der Klimaforschung und der Umweltgeschichte, die es erlauben, die materielle Seite der Kunst in ökologische Zusammenhänge zu stellen. Aufschlussreich ist schliesslich auch die kritische Auseinandersetzung mit der fachinternen Tradition von Beiträgen zum Verhältnis von Kunst und Natur und zur Darstellung von Natur in der Kunst. Die Arbeit im Seminar ist lektürebasiert: Ausgewählte Texte aus diesen Gebieten werden in kurzen Referaten vorgestellt und anschliessend in der Gruppe diskutiert.
Mediävistische Ringvorlesung: "Natürlich Mittelalter!"
von 16.09.2025 bis 16.12.2025: Di 16:15-18:00, KOL-F-121
Die Natur spielte im Mittelalter eine zentrale Rolle in der Lebenswelt der Menschen. Sie war zugleich Lebensgrundlage, Bedrohung, Gegenstand ökonomischer Ausbeutung, von Gott hervorgebrachte Schöpfung und Objekt der Wissensaneignung.
Die interdisziplinäre Ringvorlesung widmet sich der Rolle der Natur imMittelalter aus verschiedenen Perspektiven: In welchem Verhältnis standen Mensch und Umwelt, wie wurde mit natürlichen Ressourcen umgegangen und wie veränderte sich dies im Laufe des Mittelalters? Welche Konzepte von Natur kursierten in der mittelalterlichen Wissenskultur? Kann man tatsächlich für das
12. Jahrhundert von einer «Entdeckung der Natur» in Europa sprechen? Und wo geriet Natur in den Blick der mittelalterlichen Literatur und Kunst, welche Naturbilder wurden hier entworfen? Dozierende aus verschiedenen mediävistischen Disziplinen beleuchten diese und weitere Fragen mit dem Ziel, ein facettenreiches Bild davon zu zeichnen, wie mittelalterliche Gesellschaften Natur wahrnahmen, interpretierten und mit ihr interagierten.
Forschungskolloquium Mittelalter
Prof. Dr. David Ganz
Mo 16:15-18:00, alle 2-3 Wochen, ab 22.9., RAK-E-7
Das Kolloquium bietet Bachelor- und Master-Studierenden sowie Doktorierenden die Gelegenheit zur gemeinsamen Lektüre und Diskussion jüngerer oder älterer Publikationen, von denen wichtige methodische Impulse für die Erforschung der Kunst des Mittelalters ausgehen. Ein Teil der Sitzungen wird auf die Präsentation und Diskussion von Abschlussarbeiten (Bachelor oder Master), Doktoratsprojekten oder anderweitigen Forschungsprojekten der Teilnehmer:innen verwendet.