Lehrveranstaltungen
Lehrveranstaltungen HS 2026
Vorlesung: Schaubilder. Visionsdarstellungen im Mittelalter
Prof. Dr. David Ganz
Do, 14:00-15:45 Uhr
Das Visionäre war im europäischen Mittelalter omnipräsent. Was man sah, erschöpfte sich nicht in dem, was vor Augen stand. Was hinter dem körperlich Sichtbaren lag, konnte mit den Augen des Geistes geschaut werden. In Träumen, Gesichten und Erscheinungen sprachen Heilige, Verstorbene, Engel zu den Menschen, verkündeten Bilder prophetische Botschaften. Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Frage, welchen Ort das Visionäre in der mittelalterlichen Bildkunst hat. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte visionärer Bildthemen und die unterschiedlichen Paradigmen des visionären Blicks in den Bildern. Die zentrale Annahme dabei ist, dass das Visionäre im Mittelalter keineswegs nur ein ikonographischer Gegenstandsbereich war, sondern das Bildverständnis der Zeit auf elementare Weise prägte.
Seminar: Gold. Zur mittelalterlichen Karriere eines besonderen Kunst-Stoffs
Prof. Dr. David Ganz
Di, 10:15-12:00 Uhr
Gold hat Konjunktur. Jeder Pressetermin im Weissen Haus zeugt von einer eigentümlichen Indienstnahme des Edelmetalls für die Zurschaustellung von Macht. Diese ist keineswegs auf einzelne Akteure oder Orte begrenzt und in bestimmten Bereichen der Popkultur nicht weniger zuhause als in den Schaltzentralen der Politik. Im Seminar fragen wir nach den kulturellen Codes dieser Zurschaustellung von Gold und blicken dabei zurück auf jene Epoche, in der Gold den Spitzenplatz unter den Materialien künstlerischer Praxis einnahm. Auch in der kunsthistorischen Mittelalterforschung hat sich in den letzten Jahren eine umfassende Wiederentdeckung von Gold abgespielt. Die neue Aufmerksamkeit verdankt sich einem neuen Interesse an der Rolle von Materialien in der Kunstgeschichte. Neben der Inszenierung von Macht, Reichtum und Prestige diente Gold im Mittelalter auch einer Sichtbarmachung von Transzendenz. So konnte die sinnliche Qualität des Leuchtens und Glänzens, die für die Ästhetik der Verwendung von Gold ausschlaggebend war, ganz unterschiedlich gedeutet und bewertet werden. Bewunderung und Staunen mischten sich mit Luxuskritik. Wie kaum ein anderes Material war Gold in globale Kreisläufe der Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwendung eingebunden, die das mittelalterliche Europa mit Afrika und Asien verbanden. Wichtige Impulse für die jüngere Forschung kommen von Materialanalysen, die Aufschluss über Praktiken des Einschmelzens und Wiederverwertens von Gold, aber auch der Vortäuschung von Gold durch Ersatzstoffe geben. Im Seminar wollen wir uns unterschiedliche Bereiche der künstlerischen Handhabung von Gold im Mittelalter anschauen: Neben den Werken der Goldschmiedekunst werden wir dabei auch Arbeiten mit Goldschrift, Goldmalerei und Goldstickerei einbeziehen und sie mit Quellen zur Metallkunde, zur Wirtschaftsgeschichte, zum Münzwesen und zu künstlerischen Rezepten verknüpfen.
Seminar: Das Bild im Plural
Prof. Dr. David Ganz
Mo, 10:15-12:00 Uhr
In Untersuchungen zu Fragen der Bildlichkeit figuriert "das" Bild oft als eine Größe im Singular. Das eine, künstlerisch oder ästhetisch komplexe Bild steht als Positivum gegen die (zu) vielen Bilder, die mit Techniken der schnellen Erzeugung und Multiplikation die Menschen überwältigen, überfordern oder überlisten. In dieser Entgegensetzung bleibt eine dritte Spielart ausgeklammert, die mehrere Bilder so zusammenführt, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Ein einheitlicher Name fehlt für dieses Gesamt, in der Forschung sind dafür so unterschiedliche Begriffe wie Bildsumme, Bildsystem, Mehrfeldbild, Bilderraum, Bilderwand oder Hyperimage im Umlauf. Im Seminar soll an ausgewählten Beispielen methodische Ansätze der Forschung zum Bild im Plural diskutiert werden. Anhand von Werken des Mittelalters, der frühen Neuzeit und der Moderne soll der Versuch unternommen werden, eine Typologie verschiedener Gattungen von "Pluralbildern" zu erarbeiten.
BA-Seminar: Im Melting Pot des Mittelalters? Kunst und Kulturen im Königreich Sizilien (1130–1266)
Lydia Lymbourides, M.A.
Fr, 14:00-15:45 Uhr
Auch im Mittelalter klafften Rhetorik und Realität auseinander: Eugenios, griechischer Gelehrter am Hof Wilhelms II., pries den normannischen König als einen Herrscher, der "das Unstimmige in Einklang" und "disparate und unvereinbare Völker" zu einem einzigen Volk verschmelze. Diese Herrschaftsstrategie zeigt sich auch in der Kunst. Islamische und byzantinische Medien und Ikonografien wurden mit westlichen Elementen kombiniert und trugen dazu bei, den fragilen Frieden zwischen der lateinischen Elite und den griechischen und muslimischen Bevölkerungsgruppen zu wahren. Aber auch unter den nachfolgenden Staufern - die die Bemühungen um Assimilation der nicht-christlichen Bewohner der Insel intensivierten und Zwangsumsiedelungen durchführten - entstanden Kunstobjekte, die von Austauschprozessen zwischen den Kulturen zeugen.
Das Seminar widmet sich diesen Werken als Ausdrucksformen zwischen Austausch und gezielter Aneignung und eröffnet Einblicke in die kulturellen und wirtschaftlichen Verflechtungen im Mittelmeerraum. Im Zentrum stehen die Ausstattungen monumentaler Architekturen (Palazzo Reale in Palermo, Kathedralen von Monreale und Cefalù) sowie Artefakte aus den königlichen Werkstätten. Wir besprechen wandfüllende Mosaike und steinerne Grabmäler, behandeln Werke aus Elfenbein und Edelmetallen, königliche Textilien und Manuskripte. In welchen Kontexten entstanden sie und wie wurden sie rezipiert? Welche Begriffe können wir zur Beschreibung der visuellen Spuren geografischer Mobilität anwenden? Und wie wurden kulturelle Traditionen in Kunst und Architektur appropriiert, um Machtstrukturen zu festigen?
Übung: Mittelalterliches Holz: Wald, Werkstatt, Skulptur
Dr. Iñigo Salto Santamaría
Do, 10:15-11:45 Uhr
Mittelalterliche Skulpturen in Museen werfen Fragen zu Stilentwicklung, Ikonografie, ursprünglicher Funktion und Musealisierungsprozessen auf. Die Übung vor Originalen nimmt sich hingegen vor, Skulpturen aus dem Mittelalter in grössere Zusammenhänge von Extraktion und Verarbeitung einzuordnen, in denen das in Forsten und Wäldern gewonnene Holz im Zentrum der Fragestellung steht. Nebst der Besprechung von holzsichtigen und bemalten Objekten im Landesmuseum Zürich und im Kunsthaus Zürich werden Sitzungen in der Xylothek (Holzbibliothek) der ETH Zürich und im Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums sowie Lektüren zu ökokritischen Ansätzen und technischen Verfahren unsere Auseinandersetzung mit diesen Werken bereichern und prägen. Ziel ist es, durch die Perspektive der Materialität neue Zugänge zu mittelalterlichen Holzobjekten zu erarbeiten und gemeinsam zu diskutieren.
Propädeutikum (Gruppe 4)
Dr. Iñigo Salto Santamaría
Fr, 10:15-11:45 Uhr
Das Modul setzt sich mit den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens auseinander sowie mit den Grundfragen wissenschaftlicher Betrachtung von Kunst und Architektur. Anhand ausgewählter Werke verschiedener Gattungen und Entstehungszeiten werden diese und andere Fragen der Zuweisung von Werten, Rollen und Aufgaben an Kunstwerke, Kunstschaffende und Institutionen diskutiert. Wichtige Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens werden gemeinsam erarbeitet, darunter das Recherchieren von Literatur und Bildquellen, die kritische Textlektüre und das Halten von Kurzreferaten. Das Modul umfasst neben einem Seminar ein obligatorisch zu besuchendes Tutorat, das in kleinen Gruppen und über E-Learning-Aufgaben wissenschaftliche Arbeitstechniken und den Gebrauch von Hilfsmitteln einübt.
Forschungskolloquium Mittelalter
Prof. Dr. David Ganz
Mo 16:15-18:00, alle 2-3 Wochen, ab 21.9.
Das stufenübergreifend angebotene Kolloquium bietet die Gelegenheit zur Präsentation und Diskussion von Abschlussarbeiten (Bachelor oder Master), Doktoratsprojekten und weiteren laufenden Forschungsprojekten der Teilnehmer:innen. Ein Teil der Sitzungen kann auf die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Publikationen verwendet werden, von denen wichtige methodische Impulse für die Erforschung der mittelalterlichen Bildkünste ausgehen.