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Vortragsreihe:

"Das Volk, das fehlt?"

Kunst und die kulturelle Produktion von Gemeinschaft

Die Frage nach der „gesellschaftlichen Relevanz“ von Kunst wird zumeist defensiv mit dem Hinweis auf ihre „kritische“ Funktion oder ihr „negatives“ Verhältnis zur bestehenden Ordnung des Sozialen beantwortet. Ihr faktisches Gemeinschaft stiftendes Potential, die Tatsache, dass sie in der einen oder anderen Weise stets positiv sozialisierend zu wirken vermag: die communitas der Kunst also scheint sich heute nicht mehr ohne weiteres als affirmierbare politische Perspektive ästhetischer Produktion namhaft machen zu lassen. Dies hat freilich seine guten Gründe. Scheint doch jene, seit der Romantik virulente poetische Programmatik, die das Kunstwerk als Identifikation und Zusammenhalt herstellendes Bezugsobjekt gegen gesellschaftliche Desintegrationsprozesse mobilisieren möchte, nur einer Zuschaltung der Kunst in die ideologischen Apparate moderner Staaten zugearbeitet zu haben. Kunst verstrickte sich in die Geschichte der Macht. Doch Versammlungs- und zugleich Begründungsort einer Totalität des Gemeinwesens, eines „Volkes“ zu sein, war in der Moderne tatsächlich eine zumeist bloß herbei gewünschte Funktion künstlerischer Praxis. Das „Volk“, auf das hin sie sich entwarf, „fehlte“ in der Regel. Dass es einstweilen noch fehlen müsse, dereinst aber von der Kunst zusammengerufen werden könne, war eine utopische Denkfigur der klassischen Avantgarden. Diesen Phantasien steht nicht nur die Faktizität der kontingenten sozialen Relationen gegenüber, in welche die Herstellung und Rezeption von Kunst tatsächlich eingebettet war; ihr steht – von den Bünden der Romantik bis zu den Avantgarde-Gruppen des 20. Jahrhunderts – auch eine Poetik gegenüber, welche die Stiftung partikulärer und konkreter Gemeinschaften als Ziel begreift. Die Vortragsreihe möchte die Gelegenheit geben, nicht nur die Wege und Abwege nachzuzeichnen, welche die Kunst im unsicheren Terrain zwischen Staatspolitik und einer „Politik der Freundschaft“ beschritten hat, sondern auch die Situationen zu beleuchten, in die sie im Feld des Sozialen gestellt war und ist.

 

SS 2007

26.3. Gesa Ziemer – ZürichZürich

Komplizenschaft. Eine Taktik in Kunst und Alltag

 

23.4. Markus Klammer/Stéphane Montavon – Basel

Paranoia und Subjekt. Debordsche Inkorporationen des Politischen

 

30.4. Catharina Kahane  –  Wien

Der Fall Babel. Volksbildung in Pieter Bruegels Turmbau

 

4.6. Eva Kernbauer  –  Wien

Die Repräsentation der Menge. Jacques-Louis David "Schwur im Ballhaus"

 

11.6. Bernhard Siegert  – Weimar

"Tier essen - Gott essen - Mensch essen. Variationen des Abendmahls." 

 

25.6. Helmut Lethen – Wien

Der Mensch ist von Natur aus ein Naturwesen. Rückblick auf die Anthropologie der Künstlichkeit

 

WS 2006/2007

6. November – Susanne Lüdemann (Berlin)

Vom römischen Carneval zur ökonomischen Automate. Repräsentationen des Volks bei Goethe und E.T.A. Hoffmann

 

20. November – Claudia Blümle (Basel)

Das Volk als Zeuge. Malerei und Jurisprudenz in der frühen Neuzeit

 

4. Dezember – Eva Horn (Basel)

Der nackte Leib des Volkes. Politische Aporien in Büchners Danton's Tod Aporien in Büchners Danton's Tod

 

18. Dezember – Oliver Marchart (Luzern)

Der David’sche Moment

 

15. Januar – Juliane Rebentisch (Berlin)

Dekonfigurationen der Gemeinschaft. Mathias Polednas 'Version'

 

29. Januar – Albrecht Koschorke (Konstanz)

Das Volk als Gerücht. Zu einem unsichtbaren Akteur im barocken unsichtbaren Akteur im barockenTrauerspiel

 

5. Februar – Ralph Ubl (Karlsruhe)

Die Gemeinschaft der Malerei. Überlegungen zu Eugène Delacrcoix

 

Organisation: Beate Fricke und Stefan Neuner

 

 

Weiterführende Informationen

Die Vorträge finden MONTAGS, jeweils um 18. 15 Uhr, im Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, im Raum 8 im Erdgeschoss statt.