Drawing from the Crowd: eine Citizen-Science-Plattform zur Erschliessung der kulturellen Geografie von Ukiyo-e
Drawing from the Crowd: Verortung der Geografien japanischer Holzschnitte
Projektübersicht
Website: https://landscapes.theprintlab.org/
Leitung: Dr. Stephanie Santschi
Gefördert durch The Nippon Foundation Scholars Association (TNFSA) (Prototyp), UZH Graduate Research Campus (Realisierung)
Wie haben japanische Holzschnitte (ukiyo-e) aus der Edo-Zeit (1603–1868) das Verständnis und die Wahrnehmung der die Betrachtenden umgebende Umwelt geprägt? Das Projekt untersucht, wie die Drucke als ikonischen Bilder räumliche Beziehungen kodierten und den Betrachter/-innen vermittelten, die dargestellten Landschaften aus bestimmten Blickwinkeln, Entfernungen und Perspektiven wahrzunehmen. Zu verstehen, wie Ukiyo-e-Landschaften tatsächliche Geografien darstellen, bedarf der vergleichenden Analyse von Bildern verschiedener Künstler, Regionen und Zeiträume. Um topografisch referenzierende Elemente von stilisierten oder konventionellen Merkmalen zu unterscheiden, wurde Drawing from the Crowd entwickelt – die erste digitale Plattform, die darauf ausgelegt ist, räumliche Daten durch Ableitung aus angereicherten Bild- und Metadaten von Ukiyo-e-Sammlungen zu gewinnen. Zu diesem Zweck koordinierte Santschi ein Forschungsteam (Himanshu Panday, Drew Richardson, Hirohito Tsuji), welches seine Expertise für die Entwicklung dieser Plattform beisteuerte - eine Plattform die nun erstmals digital zugänglich ist.
Daten
Bild- und Metadaten stammen von:
Metropolitan Museum of Art NYJapanese Prints (Ukiyo-e) and Paintings Portal Database at the Art Research Center, Ritsumeikan University,JapanSearch: National Diet Library, Taito City Lifelong Learning Center
Terraindaten vom Geospatial Information Authority of Japan.
Datenanreicherung wurde mittelsWikidata undGeoHack Toolforge durchgeführt.
Die Visualisierung und der Citizen Science-Workflow stammt vonSmapshot (HEIG-VD).
Das Projekt bedankt sich bei allen Partnern - Digital Humanities sind nur gemeinsam möglich.
Ansatz
Die Plattform adaptiert die partizipative Monoplotting-Technologie der HEIG-VD-Initiative Smapshot, um den einzigartigen räumlichen Konventionen japanischer Drucke gerecht zu werden. Der Citizen Science-Ansatz ist methodisch unerlässlich – die Ausrichtung stilisierter Bilder an Geländeformen erfordert ein Verständnis kultureller Konventionen zur Kodierung von Raum, was weder Computer noch einzelne Forschende in diesem Umfang leisten können. Drawing from the Crowd bezieht Bürgerforschende aus der ganzen Welt in die Rekonstruktion der ursprünglichen Blickwinkel ein, die in Ukiyo-e-Landschaften dargestellt sind. Die Teilnehmenden identifizieren Aussichtspunkte und Blickrichtungen, indem sie Drucke mit modernen Geländedaten abgleichen. Wenn mehrere Teilnehmende unabhängig voneinander denselben Druck rekonstruieren, zeigen Übereinstimmungen, ob die Drucke topografisch mit tatsächlichen Orten übereinstimmen, aus anderen Drucken abgeleitet wurden oder aber künstlerischen Konventionen folgen.
Vorläufige Ergebnisse
Beta-Tests haben gezeigt, dass die Elemente im Mittel- und Hintergrund von Drucken auch dann eine konsistente Beziehung zum tatsächlichen Gelände aufweisen, wenn die Elemente im Vordergrund aus künstlerischen Gründen manipuliert wurden. Die genaue Ausrichtung ergibt sich nicht aus ikonischen Merkmalen wie dem Berg Fuji, sondern aus den Konturen des Geländes – Tempelanlagen, Küstenlinien und Hügeln. Der Vergleich mehrerer Drucke desselben Ortes offenbart die Genealogie der Kopien und unterscheidet zwischen Drucken, die auf Beobachtungen basieren, und solchen, die literarischen oder konventionellen Formeln folgen.
Zusammenarbeit und Resonanz
Die zweisprachige Plattform (Japanisch/Englisch) lädt global zur Teilnahme ein und macht die Forschung einem vielfältigen Publikum zugänglich.