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Anna Dorothea Haesen: Die Rolle Georges Frédéric Kellers (1899–1981) in den transatlantischen Kunsthandelsnetzwerken der ersten Hälfte des 20. Jh.

Georges Frédéric Keller war ein Pariser Galerist mit schweizerischen Wurzeln, der im internationalen Kunsthandel des 20. Jahrhunderts tätig war. Nach seinen Anfängen in der Galerie Barbazanges-Hodebert in Paris wurde er Direktor der Galeries Georges Petit und übernahm später die Leitung der New Yorker Filiale der renommierten Pariser Galerie Bignou. In den 1950er Jahren leitete er ­– zuerst gemeinsam mit Roland Balay, dem Enkel des Galeriegründers Michael Knoedler – die Carstairs Gallery in New York. Neben seiner Tätigkeit als Galerist fungierte Keller auch als Kunstfachmann und wurde etwa von dem wohlhabenden amerikanischen Geschäftsmann Albert C. Barnes beauftragt, dessen Kunstsammlung in Philadelphia mit Werken aus dem Pariser Kunstmarkt zu ergänzen. Nach seinem Tod 1981 vermachte er seine aus Gemälden und ethnografischen Werken bestehende Kunstsammlung als Legat dem Kunstmuseum Bern. 

Trotz seiner umfangreichen Geschäftstätigkeiten wird Keller in der kunsthistorischen Forschung bislang als Randfigur behandelt. Dieses Dissertationsprojekt zielt darauf ab, Kellers Rolle innerhalb des von Étienne Bignou (Paris und New York), Alexander Reid und A. J. McNeill Reid (Glasgow) sowie Ernest Lefèvre (London) gebildeten transatlantischen Händlernetzwerks systematisch zu beleuchten und zu untersuchen, in welche weiteren Netzwerke er eingebunden war. Durch die Analyse von Archivmaterialien, zeitgenössischer Kunstpresse, sowie Auktions- und Ausstellungskatalogen der verschiedenen Galerien sollen Kellers Geschäftstätigkeiten zwischen 1920 und 1965 rekonstruiert werden. Dabei werden auch die Provenienzen der Werke in der Sammlung des Kunstmuseum Bern überarbeitet und die Entwicklung von Kellers ethnografischer Sammlung nachvollzogen. 

Das Projekt trägt zur wachsenden kunsthistorischen Teildisziplin der Kunstmarktforschung bei und untersucht die strukturellen Transformationen des internationalen Kunsthandels während einer Phase grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Wandels: von der Blüte der Pariser Kunstszene nach dem Ersten Weltkrieg über die Weltwirtschaftskrise 1929 und den Zweiten Weltkrieg bis zur Nachkriegszeit mit ihrem massiven wirtschaftlichen Aufschwung in den USA.