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Sebastian Hammerschmidt: Sammeln als Form der Kunstgeschichtsschreibung bei Gottlieb Friedrich Reber

Die Sammlung Gottlieb Friedrich Reber (1880 – 1959) war eine der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ab 1908 trug Reber zunächst in Deutschland, ab 1919 in der Schweiz eine Sammlung zusammen, die einen umfangreichen Bestand der französischen Moderne umfasste – darunter Schlüsselwerke Paul Cézannes und eine der größten Picasso-Sammlungen der damaligen Zeit –, Werke Alter Meister, Kunst des Mittelalters sowie eine breite Auswahl ethnographischer und archäologischer Artefakte. Trotz ihrer herausragenden Bestände hat die Sammlung in der kunsthistorischen Forschung nur eine geringe Resonanz erfahren, wobei der Fokus vor allem auf Reber als Sammler der französischen Moderne lag.

Mit dem Dissertationsprojekt wird die Sammlung erstmals in ihrer transhistorischen und transkulturellen Anlage erforscht. Als Fallbeispiel für die damalige Sammlungskultur werden an ihr zugleich ein erweitertes Verständnis von Moderne sowie der kunsthistoriographische Anspruch eines epochen- und kulturenübergreifenden Sammelns untersucht.

Gefragt wird in dem Projekt nach den Wechselwirkungen und Verflechtungen zwischen Rebers Sammlungspraxis und zeitgenössischen kunsthistorischen Diskursen, außerdem, wie Reber – in einem Netzwerk mit anderen Akteur:innen – seinen Kunstbegriff im Kontext vergleichbarer kunsthistorischer Überzeugungen zu vermitteln versuchte. Eingebettet ist diese Fragestellung in das Erkenntnisinteresse einer erweiterten Moderne, das die Sammlung Reber und ihr Verständnis moderner Kunst im Horizont einer „Weltkunst“ verortet. Dabei werden insbesondere die damit verbundenen epistemischen Vorannahmen eines europäischen Kunstbegriffs kritisch durchgearbeitet, der in seiner universalistischen Entgrenzung maßgeblich auf Denkfiguren eines Primitivismus‘ bzw. Archaismus‘ beruhte. Neben der Rekonstruktion von Sammeln als einer ästhetischen wie epistemischen Praxis verfolgt das Projekt so auch den Anspruch einer sammlungshistorischen Forschung unter postkolonialen Bedingungen.

Das Dissertationsprojekt wurde und wird gefördert durch die a.r.t.e.s. Graduate School Cologne, den DAAD, das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris und das Institut national d’histoire de l’art. Grundlegend für die Arbeit ist außerdem das Archiv Gottlieb Friedrich Reber, das Sebastian Hammerschmidt im Rahmen eines Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt des ZADIK | Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung aufgearbeitet hat. Das Projekt wird betreut von Prof. Dr. Christian Spies (Universität zu Köln), Prof. Dr. Bärbel Küster (Universität Zürich), und Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck (ZADIK, Köln).