Viviane Mathis: Hermann Haller transnational. Netzwerke, Skulptur und die Avantgarde
Dissertationsprojekt
Hermann Haller (1880–1950) ist einer der bedeutendsten Schweizer Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Trotz seiner Einbindung in internationale avantgardistische Ausstellungs- und Netzwerkzusammenhänge wird er heute als primär lokal verankerter Künstler gelesen und sein Werk überwiegend als konservative Gegenposition zur Avantgarde interpretiert.
Die Dissertation setzt hier an und untersucht Hallers Position innerhalb internationaler Kunstentwicklungen der Moderne. Auf Grundlage von Archivrecherchen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den USA rekonstruiert sie seine Netzwerke, Ausstellungsbeteiligungen und Sammlungskontexte sowie die Vermittlungswege zwischen Europa und Nordamerika. Dabei werden insbesondere Archivbestände in den USA erstmals systematisch im Hinblick auf Hallers internationale Verflechtungen ausgewertet.
Ein besonderer Fokus liegt auf Zürich als lokalem Knotenpunkt, an dem sich internationale Verbindungen, institutionelle Strukturen und kulturpolitisches Wirken verdichten. Untersucht werden Hallers Funktionen im Zürcher Kunstbetrieb ebenso wie die Präsenz seiner Werke im Stadtraum, die Einblicke in Prozesse öffentlicher Repräsentation und kulturpolitischer Positionierung geben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den sozialen und räumlichen Produktionsbedingungen seiner Skulptur. Im Zentrum stehen seine Ehefrauen und Modelle als bislang wenig beachtete Akteurinnen innerhalb seiner künstlerischen Netzwerke sowie sein Atelier als Ort von Produktion, Begegnung und Repräsentation.
Ziel der Arbeit ist es, Hermann Hallers Werk im Kontext avantgardistischer Strukturen neu zu verorten und seine künstlerische Praxis in ihren sozialen, räumlichen und institutionellen Bedingungen sichtbar zu machen. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zur Rekonstruktion transnationaler Kunstzusammenhänge, zur Neubewertung figürlicher Skulptur der Moderne sowie zur differenzierten Betrachtung künstlerischer Produktion in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.